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Essen nach Ermessen

26.01.2012 14:40 von Bender Jennifer

Überall hört man heutzutage Beschwerden über die unaufhaltsame Verbreitung von Anglizismen und Amerikanismen in der deutschen Sprache, sprich englische und/oder amerikanische Wörter, Formulierungen und Satzkonstruktionen, die im Deutschen Einzug gefunden haben. Während dabei einige von ihnen bereits so stark in der deutschen Sprache verankert sind, dass sie kaum noch wegzudenken sind (Fallen Ihnen auf Anhieb deutsche Entsprechungen für Pullover, T-shirt oder Sweatshirt ein?), fallen aktuellere Modewörter, wie Burnout oder Blackout, schon eher ins Auge. Soll man diesen Sprachwandel nun hinnehmen und akzeptieren oder, wie die Franzosen, Spanier oder Italiener, gezielt dagegen angehen?

Googelt (oder sucht?) man im Internet das Wort „Anglizismus“, stößt man sofort auf eine Reihe von Seiten und Foren, deren Schöpfer es sich zur Aufgabe gemacht haben, für gängige Anglizismen deutschsprachige Entsprechungen zu finden. Die „Aktion lebendiges Deutsch“ führt bspw. Umfragen durch und veröffentlicht in ihrem Wortarchiv die Ergebnisse sowie den Begriff, für den sich ihre Jury schlussendlich entschieden hat (mit Begründung). So wurde aus „All you can eat“ die kreative Konstruktion „Essen nach Ermessen“, aus „Beamer“ „Bildwerfer“ und für „Brainstorming“ hat sich die „Denkrunde“ gegenüber seinen Konkurrenten „Tüftelrunde“, „Gedankenquirl“, „Neuronenfeuer“ sowie 10.376 weiteren Vorschlägen durchgesetzt. Der „Verein Deutsche Sprache“ kategorisiert seine deutschen Entsprechungen außerdem in „ergänzend“, „differenzierend“ und „verdrängend“, und gibt bei Wörtern mit unterschiedlichen Bedeutungen (z. B. „Event“ oder „Ticket“) mehrere entsprechende Vorschläge an.

Einer besonderen Herausforderung stellte sich 2005 eine WG aus Berlin, die sich der Sprachpflege verschrieben hat. Für die Verwendung von Anglizismen müssen die Mitbewohner löhnen, sprich in die Haushaltskasse einzahlen. Dass sie von dem Geld nach relativ kurzer Zeit schon in den Urlaub fahren könnten, zeigt, dass es gar nicht so einfach ist, den englischen Eindringlingen zu entkommen. Schließlich müssen sie sich tagtäglich auf neue Entsprechungen für „Ketchup“, „Boxershorts“ und Co. einigen. Leider verrät der Artikel nichts darüber, wie diese „neue Sprache“ außerhalb des WG-Alltags ankommt, ob sie das tatsächlich durchsetzen können oder ob sie dadurch „Otto Normalverbraucher“ eher abschrecken. Aufschlussreich und interessant ist ein solches Projekt (auf Zeit) jedoch allemal, da einem dadurch erst einmal auffällt, wie viele Anglizismen sich mittlerweile in der deutschen Sprache angesammelt haben.

 

Quellen:

http://www.anglizismus-1.de/

http://www.aktionlebendigesdeutsch.de/index.php

http://www.vds-ev.de/index

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,336842,00.html

 

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