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Humor, Komik und Ironie in der Kinder- und Jugendliteratur

22.02.2012 09:00 von Bender Jennifer

Die Frage, die sich ein Kinderbuchautor stellen muss ist, ob die Kinder mit den Regeln und Normen vertraut sind, die absichtlich gebrochen werden, um Komik zu erzeugen (vgl. Fischer, 2006:204). „Unbestritten ist [jedoch], dass Kinder Spaß am Spiel mit der Sprache haben, sich gerne neue Wörter ausdenken und sich zu ihnen (noch) unbekannten Wörtern ihre eigenen Gedanken machen“ (Fischer, 2006:205).

Nelly Feuerhahn schreibt, „der Humor entspricht (..) dem Vergnügen, Widersinniges intellektuell zu bewältigen“ (Feuerhahn, 1992:34). Humor kann jedoch nur dann entstehen, wenn der Widersinn erkannt wird. Sie unterscheidet vier Stadien des Entwicklungsprozesses von Kindern. Im ersten Stadium, dem zweiten Lebensjahr, erfreuen sich Kinder daran, wenn sie bspw. durch einen Gegenstand an ein ihnen bekanntes Objekt erinnert werden. Im zweiten Stadium, gegen Ende des zweiten Lebensjahres, empfinden es Kinder als lustig, Gegenständen oder Ereignissen andere Bezeichnungen zu geben, indem sie z. B. einen Stein für einen Hund ausgeben. Im dritten Stadium, im Alter von drei bis sechs Jahren, lachen Kinder darüber, wenn Gegenstände nicht die Form haben, die sie bereits kennengelernt haben, z. B. über ein Fahrrad mit eckigen Rädern. Außerdem amüsieren sie sich über Neologismen. Im vierten Stadium, ab ca. sieben Jahren, beginnen Kinder die Zweideutigkeit von Wörtern zu verstehen (vgl. Feuerhahn, 1992:34 f.). Feuerhahn kritisiert jedoch, dass in dieser Einteilung kein Unterschied zwischen verschiedenen Kulturen gemacht wird. Schließlich lachen unterschiedliche Kulturen über unterschiedliche Dinge (36).

Des Weiteren geht sie darauf ein, dass Kinder und Erwachsene zwar über das gleiche Kinderbuch lachen können, jedoch auf unterschiedlichen Ebenen. Während Erwachsene bspw. beim Lesen der Asterix-Bücher über Anachronismen und kulturelle Anspielungen lachen, amüsieren sich Kinder über Disproportionen, wie z. B. Exzesse (41).

Martin Fischer zitiert Irene Wild und Maria Lypp, wenn er Komik in Kinder- und Jugendbüchern als Ausgleichsventil zum Erlernen von gesellschaftlichen Regeln und Normen beschreibt (vgl. Fischer, 2006:206 f.). Diese Freude am Unsinn wird allerdings erst mit Lewis Carrolls Alice in Wonderland eingeführt. In früheren Kinder- und Jugendbüchern des 19. Jahrhunderts taucht Komik nur im Sinne von Schadenfreude auf, wie z. B. im Struwwelpeter. Allerdings ist zu betonen, dass Komik sehr oft eine pädagogische Funktion besitzt (207). „Sie stiftet zum Mit- und Selbstdenken, zum sinnvollen Ungehorsam an“ (Fischer, 2006:207).

Barbara Wall schreibt, dass Ironie in der KJL sehr selten vorkommt, da sie von Kindern oftmals nicht verstanden wird (vgl. Wall, 1991:111). Manche Kinderbuchautoren verwenden jedoch auch Ironie, wie z. B. Mark Twain, E. Nesbit, Beatrix Potter oder Mary Norton (2). Kirsten Boie sieht kein Problem darin, Ironie in der KJL zu verwenden, wenn bei Nichtverstehen der Ironie keine Verwirrung durch sie entsteht. Ironie, die für das Textverständnis als solche verstanden werden muss, sollte in der KJL allerdings vermieden werden (vgl. Boie, 1995:6 f.).

Der Humor unterscheidet sich mitunter von Kultur zu Kultur. Dadurch ergeben sich evtl. Schwierigkeiten bei der Übersetzung. Hinzu kommen noch die kultureigenen Metaphern und Wortspiele. In der KJL werden außerdem häufig sprechende Namen verwendet, d. h. Namen, die etwas über die Charaktereigenschaften einer Person oder Figur aussagen. Außerdem muss bei der KJL darauf geachtet werden, ob die Kinder und Jugendlichen überhaupt die notwendigen Erfahrungen und das sprachliche Vorwissen haben, um bestimmte Anspielungen zu verstehen (vgl. Fischer, 2006:210 ff.).

Quellen:

Boie, Kirsten, (1995), „Vom Umgang mit der Sprache beim Schreiben“, in: Beiträge Jugendliteratur und Medien, 47. Jg., 1/1995, 2-17

Feuerhahn, Nelly, (1992), „Das Lachen des Kindes“, in: Ewers, Hans-Heino (ed.), Komik im Kinderbuch, Weinheim, München, Juventa Verlag, 33-43

Fischer, Martin, (2006), Konrad und Gurkenkönig jenseits der Pyrenäen. Christine Nöstlinger auf Spanisch und Katalanisch, Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH

Wall, Barbara, (1991), The narrator’s voice. The dilemma of children’s fiction, Houndmills, Basingstoke, Hampshire, London, Macmillan Adademic And Professional LTD

 

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