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Literaturübersetzer - verkannt und unsichtbar?

13.12.2011 09:30 von Bender Jennifer

Zu dem Dilemma vieler Literaturübersetzer, dass eine gute Übersetzung selten Lobpreisungen erfährt, dafür eine schlechte gerne in den Medien ausgeschlachtet werden, haben sich die Übersetzer Peter Friedrich, Susanna Mende,  Jürgen Bürger und Pieke Biermann Gedanken gemacht. Kommt ein (übersetzter) Roman sehr gut an, wird gerne über den schönen Stil und die kreativen Formulierungen des Autors / der Autorin gesprochen, der Übersetzer findet dabei jedoch selten Erwähnung. Im Gegensatz dazu bilden sich bei sehr bekannten Büchern mitunter ganze Internetforen und –seiten, in denen die Übersetzungsfehler aufgelistet, kategorisiert und bewertet werden.

Diese Unsichtbarkeit des Übersetzers und auch eine gewisse Ungerechtigkeit wären wohl leichter zu ertragen, wenn wenigstens die Verleger die Arbeit des Übersetzers mehr würdigen und auch honorieren würden. Denn selbst bei wirklich guten Kritiken und jahrelanger Zusammenarbeit bleibt es – abgesehen von wenigen Ausnahmen – bei einer konstanten schlechten Bezahlung. Doch wie Susanna Mende es treffend formuliert, kann wohl man nichts dagegen machen, wenn Verlage sich an „Billiganbieter“ wenden, die meist keine guten Übersetzungen hervorbringen (können), anstatt auf Honorarforderungen von guten Übersetzern einzugehen. Schließlich ist ein Verbraucherschutz vor schlechten Übersetzungen nicht so dringend wie ein Verbraucherschutz im Landwirtschaftsbereich – von einer schlechten Übersetzung bekommt man immerhin keinen Dünnpfiff.

Besonders nett ist es, wenn Honorarforderungen mit Sätzen wie „Sie müssen diesen Beruf ja nicht ausüben“ zurückgewiesen werden. In solchen Momenten wünscht man sich einen Mindestlohn für Übersetzer. Natürlich gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage, aber sollte es nicht möglich sein, von seiner Arbeit würdig zu leben?

Eine gute Idee wäre es, den Verlagen ein Nutzungsrecht für literarische Übersetzungen einzuräumen, das auf die erste Auflage begrenzt ist. So müssten sie die Übersetzer bei allen weiteren Auflagen entsprechend entlohnen und bspw. Fernseh- und Rundfunkrechte ebenfalls bei ihnen einkaufen.

 

Quelle:

http://www.krimi-couch.de/krimis/uebersetzer.html

 

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Kommentar von Übersetzungsbüro Dresden | 16.01.2012 16:53

Ein sehr schöner und berechtigter Artikel! Verbraucherschutz vor schlechten Übersetzungen kann auch schnell dringend werden - wenn es sich zB um ein Fachbuch mit Anleitungen handelt...
Es wird aber auch oft von Verlegersseite her zu kurzsichtig gedacht - eine schlechte Übersetzung kann sehr wohl eine niedrige Popularität bedeuten.

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