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Stresstest, Arabellion und Merkozy

16.01.2012 11:00 von Bender Jennifer

Jedes Jahr (einmalig 1972 und regelmäßig seit 1978) wird von der Gesellschaft für deutsche Sprache das „Wort des Jahres“ gekürt. Dabei geht es um Wörter oder Ausdrücke, die im betroffenen Jahr besonders häufig in öffentlichen Diskussionen verwendet wurden, bzw. wichtige politische Themen betreffen, die durch die Medien gingen.

2011 hat sich der „Stresstest“ den ersten Platz verdient. Denn nicht nur Atomkraftwerke  werden nach der Katastrophe in Fukushima besonderen Stresstests unterzogen (hier fragt sich der „Wutbürger“: Vorher nicht?), sondern auch Bahnhöfe (vorrangig im schwäbischen Raum), Banken und Regierungen. Selbst im Berufs- und Privatleben ist niemand vor einer solchen Prüfung sicher – der Stresstest lauert überall und stellt Beziehungen und Projekte auf eine harte Probe. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Humanmedizin und wurde zur Messung der psychischen und physischen Belastung angewandt. In der engeren Auswahl standen 2011 außerdem u. a. Arabellion, Merkozy, Fukushima und Killersprossen.

Neben dem Wort des Jahres gibt es seit 1991 auch das „Unwort des Jahres“. Dabei geht es ebenfalls um in den Medien häufig verwendete Begriffe, die allerdings als unangemessen oder inhuman eingestuft werden. Diese Aktion möchte gerade auf den unsachgemäßen Wortgebrauch aufmerksam machen. So wurde 2009 bspw. das Wort „betriebsratsverseucht“ gewählt, da Betriebsräte, welche die Interessen der Arbeitnehmer vertreten, dadurch (aus Sicht der Unternehmen) als Seuche bezeichnet wurden. Alle Bürgerinnen und Bürger können bis zum 31. jedes Jahres Unwortvorschläge (mit Quellenangaben) einreichen.

2010 wurde „Geschwätz des Augenblicks“ unter die ersten drei Unwörter gewählt. Es bezieht sich tatsächlich auf die im Jahr 2010 aufgedeckten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und verstößt daher gegen das Prinzip der Menschenwürde.

Unwort des 20. Jahrhunderts wurde „Menschenmaterial“, da Menschen dadurch mit einem Sachgegenstand gleichgestellt werden. Besonders im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden gefallene Soldaten sowie KZ-Häftlinge, die nicht länger als Arbeitskraft eingesetzt werden konnten, als Menschenmaterial bezeichnet.

Ob nun Wort des Jahres, Unwort des Jahres oder Unwort des Jahrhunderts, alle dienen demselben Zweck, das Bewusstsein der Menschen – gerade zur Reflexion am Ende des Jahres – für das Geschehene und dessen Bedeutung und Bewertung zu schärfen.

 

Quellen:

http://www.gfds.de/aktionen/wort-des-jahres/

http://www.unwortdesjahres.net/

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