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Unterschiede zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur
08.02.2012 15:25 von Bender Jennifer
Die Meinungen über die sprachlichen Unterschiede zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur sind sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen gilt jedoch, dass die Kinder- und Jugendliteratur (KJL) „sich einer einfacheren, dem intellektuellen Entwicklungsstand der Kinder angepassten Sprache“ bediene (Fischer, 2006:60).
Bernhard Engelen stellt die Frage, inwieweit die KJL dazu dient, die rezeptiven sprachlichen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen auf syntaktischer und lexikalischer Ebene zu verbessern. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die KJL die syntaktischen Fähigkeiten nicht in dem Ausmaß verbessert, wie anzunehmen wäre, und dass viele kinderliterarische Werke das Sprachniveau der Kinder sogar niedrig halten. Diesen Aspekt der sprachlichen Förderung sieht er allerdings nur als eine von vielen Funktionen der KJL (vgl. Engelen, 1995:18).
Im Alter von vier bis fünf Jahren sind Kinder der syntaktischen Grundstrukturen mächtig. Werden diese jedoch in einem Satz vermischt, werden sie normalerweise nicht verstanden, da sie in der alltäglichen Sprache selten vorkommen (19).
Im ersten Grundschuljahr lesen Kinder sehr langsam, da sie Lautgestalt und Text miteinander verbinden müssen. Deshalb ist zu empfehlen, es Leseanfängern so einfach wie möglich zu machen, indem z. B. auf unbekannte Wörter und schwierige Syntax verzichtet sowie eine große Schrift verwendet wird, damit die kindlichen Leser das Gefühl haben, beim Lesen voranzukommen und nicht demotiviert werden. Auch das Layout soll die Sinngliederung, z. B. durch Flattersatz, unterstreichen. Illustrationen lockern das Buch auf, dienen als Verständnisstütze und motivieren zum Weiterlesen. Selbst wenn ein Kind schwierigere Syntax in gesprochener Sprache oder beim Vorlesen versteht, ist dies während des Leseprozesses nicht unbedingt der Fall, da es bei geringer Lesegeschwindigkeit gleichzeitig den Text lesen und die Satzstruktur verstehen muss. Dies wird beim Sprechen bereits durch Intonation und Phrasierung geleistet (19 f.).
Engelen kritisiert jedoch die Kriterien, mit denen Kinderbuchtheoretiker in den sechziger Jahren KJL (für alle Altersklassen) analysiert haben. Diese forderten eine einfache und leicht verständliche Sprache (22). Eine Analyse der neueren KJL hat ergeben, dass diese Forderungen tatsächlich von vielen Kinderbuchautoren beherzigt wurden: Es sind fast keine Passivkonstruktionen, Nominalgruppen, Subjekt- oder Objektsätze, indirekte oder erlebte Rede, lange Sätze, komplexe Syntax oder Fremdwörter zu finden (24).
Beim Vergleich von KJL und Erwachsenenliteratur stellt Engelen u. a. fest, dass die Sätze in Kinderbüchern meist 10-12 Wörter beinhalten, während dies in der Erwachsenenliteratur ca. 20 Wörter sind. Daraus zieht er jedoch keine Schlüsse auf den Schwierigkeitsgrad (28 f.). In Bezug auf den Wortschatz stellt er bspw. fest, dass Peter Härtling in seiner Erwachsenenliteratur schwierigeres Vokabular verwendet als in seinen Kinderbüchern (40).
Engelen resümiert, dass viele Kinderbuchautoren das Niveau zu gering halten und fordert dies bspw. durch einen differenzierteren Wortschatz zu ändern, damit die Kinder mehr gefordert werden (40). Schließlich lerne man den größten Teil seines Wortschatzes durch den Kontakt mit Büchern (35). Das sprachliche Niveau müsste dem des Zielpublikums angepasst werden oder sogar etwas darüber liegen. Da sowohl Kinder als auch Erwachsene aus inhaltlichen Gründen lesen, würden sie dadurch nicht überfordert werden. Die inhaltlich komplexeren Abschnitte müsste man allerdings sprachlich vereinfachen, was oftmals aus Bequemlichkeit der Kinderbuchautoren nicht stattfindet (40).
Quellen:
Engelen, Bernhard, (1995), „Überlegungen zur Sprache im Kinder- und Jugendbuch“, in: Beiträge Jugendliteratur und Medien,47. Jg., 1/1995, 18-42
Fischer, Martin, (2006), Konrad und Gurkenkönig jenseits der Pyrenäen. Christine Nöstlinger auf Spanisch und Katalanisch, Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH
Bernhard Engelen stellt die Frage, inwieweit die KJL dazu dient, die rezeptiven sprachlichen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen auf syntaktischer und lexikalischer Ebene zu verbessern. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die KJL die syntaktischen Fähigkeiten nicht in dem Ausmaß verbessert, wie anzunehmen wäre, und dass viele kinderliterarische Werke das Sprachniveau der Kinder sogar niedrig halten. Diesen Aspekt der sprachlichen Förderung sieht er allerdings nur als eine von vielen Funktionen der KJL (vgl. Engelen, 1995:18).
Im Alter von vier bis fünf Jahren sind Kinder der syntaktischen Grundstrukturen mächtig. Werden diese jedoch in einem Satz vermischt, werden sie normalerweise nicht verstanden, da sie in der alltäglichen Sprache selten vorkommen (19).
Im ersten Grundschuljahr lesen Kinder sehr langsam, da sie Lautgestalt und Text miteinander verbinden müssen. Deshalb ist zu empfehlen, es Leseanfängern so einfach wie möglich zu machen, indem z. B. auf unbekannte Wörter und schwierige Syntax verzichtet sowie eine große Schrift verwendet wird, damit die kindlichen Leser das Gefühl haben, beim Lesen voranzukommen und nicht demotiviert werden. Auch das Layout soll die Sinngliederung, z. B. durch Flattersatz, unterstreichen. Illustrationen lockern das Buch auf, dienen als Verständnisstütze und motivieren zum Weiterlesen. Selbst wenn ein Kind schwierigere Syntax in gesprochener Sprache oder beim Vorlesen versteht, ist dies während des Leseprozesses nicht unbedingt der Fall, da es bei geringer Lesegeschwindigkeit gleichzeitig den Text lesen und die Satzstruktur verstehen muss. Dies wird beim Sprechen bereits durch Intonation und Phrasierung geleistet (19 f.).
Engelen kritisiert jedoch die Kriterien, mit denen Kinderbuchtheoretiker in den sechziger Jahren KJL (für alle Altersklassen) analysiert haben. Diese forderten eine einfache und leicht verständliche Sprache (22). Eine Analyse der neueren KJL hat ergeben, dass diese Forderungen tatsächlich von vielen Kinderbuchautoren beherzigt wurden: Es sind fast keine Passivkonstruktionen, Nominalgruppen, Subjekt- oder Objektsätze, indirekte oder erlebte Rede, lange Sätze, komplexe Syntax oder Fremdwörter zu finden (24).
Beim Vergleich von KJL und Erwachsenenliteratur stellt Engelen u. a. fest, dass die Sätze in Kinderbüchern meist 10-12 Wörter beinhalten, während dies in der Erwachsenenliteratur ca. 20 Wörter sind. Daraus zieht er jedoch keine Schlüsse auf den Schwierigkeitsgrad (28 f.). In Bezug auf den Wortschatz stellt er bspw. fest, dass Peter Härtling in seiner Erwachsenenliteratur schwierigeres Vokabular verwendet als in seinen Kinderbüchern (40).
Engelen resümiert, dass viele Kinderbuchautoren das Niveau zu gering halten und fordert dies bspw. durch einen differenzierteren Wortschatz zu ändern, damit die Kinder mehr gefordert werden (40). Schließlich lerne man den größten Teil seines Wortschatzes durch den Kontakt mit Büchern (35). Das sprachliche Niveau müsste dem des Zielpublikums angepasst werden oder sogar etwas darüber liegen. Da sowohl Kinder als auch Erwachsene aus inhaltlichen Gründen lesen, würden sie dadurch nicht überfordert werden. Die inhaltlich komplexeren Abschnitte müsste man allerdings sprachlich vereinfachen, was oftmals aus Bequemlichkeit der Kinderbuchautoren nicht stattfindet (40).
Quellen:
Engelen, Bernhard, (1995), „Überlegungen zur Sprache im Kinder- und Jugendbuch“, in: Beiträge Jugendliteratur und Medien,47. Jg., 1/1995, 18-42
Fischer, Martin, (2006), Konrad und Gurkenkönig jenseits der Pyrenäen. Christine Nöstlinger auf Spanisch und Katalanisch, Frankfurt am Main, Peter Lang GmbH
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