Ob aus irgendetwas ein internationaler Hype wird, weiß man im Voraus nie. Allerdings gibt es genügend Stellschrauben, die findige Marketer im Voraus drehen können, damit die Chancen auf einen viralen Hit besser stehen. Dazu gehören auch gelungene Übersetzungen. In diesem Beitrag schauen wir uns einige Beispiele aus der Popkultur und deren Übersetzungen ins Deutsche (und andere Sprachen) an.
Anime: Von Japan in die ganze Welt
Gerade die japanischen Animes der 90er und frühen 2000er verstanden, wie sie ihre Zielgruppe – Kinder und Jugendliche – mit Übersetzungen erreichen konnten: So wurden auch die Titelsongs in anderen Sprachen eingesungen (beispielsweise bei Dragon Ball Z „Cha-La Head-Cha-La“) oder sogar, wie im Fall von Digimon mit „Leb deinen Traum“, komplett neue Titelmelodien erfunden.
Viele Figuren durften auch in der deutschen Übersetzung ihre Namen behalten. Inhaltliche Änderungen ergaben sich teilweise durch Schnitte, die etwa in Deutschland mit dem Jugendschutz begründet wurden. In der Anime-Serie Sailor Moon wurden Anpassungen auch durch die Übersetzung von Dialogen eingebracht: In der deutschen Synchronisation wurde das Geschlecht einiger Charaktere geändert. Kritiker sagen, es sei darum gegangen, keine gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen zu zeigen. In der englischen Synchronisation wurden zwei Charaktere daher zu Cousinen, statt zu einem Paar (Quelle: GamePro).
Pokémon und ihre Namen
Besonders das Pokémon-Franchise, das noch heute unglaublich erfolgreich ist, konnte einige Märkte durch gelungene Übersetzungen erobern: Für den deutschsprachigen Raum wurden die Namen vieler Pokémon, tierähnliche Wesen, aus dem Japanischen übersetzt. Dasselbe gilt für Französisch, Koreanisch, Englisch und Chinesisch. In anderen Sprachräumen hingegen, beispielsweise Italien, werden die englischen Namen der Wesen und Protagonisten genutzt. Der Popularität um die „Taschen-Monster“ tut das dort keinen Abbruch. Tatsache ist aber, dass viele der Namen im japanischen Original eine Bedeutung haben. Oft wurde von den Übersetzern versucht, diese Sprachspiele auch in andere Sprachen zu übertragen.
Hier einige bekanntere Beispiele:
| Pokémon Japanisch | Englisch | Deutsch | Französisch | Bedeutung/Herkunft |
| ゼニガメ (Zenigame) | Squirtle | Schiggy | Carapuce | Schildkröte + Verweis auf „klein“ |
| ロコン (Rokon) | Vulpix | Vulpix | Goupix | Fuchs + Zahl sechs |
| ネギガナイト (Negigaknight) | Sirfetch’d | Lauchzelot | Palarticho | Lauch/Poree (als Attribut des Pokémon) + Ritterlichkeit |
| ピッピ (Pippi) | Clefairy | Piepi | Mélofée | Angelehnt an die Fabelwesen Pixies |
Quelle: Pokewiki.de
Hierbei wird deutlich, dass nicht alle Namen (immer) übersetzt wurden: Bekannte Pokémon wie Pikachu ließen sich möglicherweise nur schwer wohlklingend übersetzen und behielten daher ihren japanischen Namen.
Labubu-Hype um die kleinen Monster
Ist es alles einfacher, wenn man ein Fantasiewesen mit einem Fantasienamen hat, das in einer Fantasiesprache spricht? Nun, Übersetzer sind teilweise auch hier gefragt und müssen sich Gedanken machen: Wie kann das Marketing in anderen Ländern funktionieren? Welche kulturspezifischen Codes müssen eventuell berücksichtigt werden?
Bei den populären, vom Chinesen Kasing Lung geschaffenen, Monstern sind es oft die Gesichtsausdrücke, die irgendwo zwischen gruselig und niedlich liegen – und über die das Wesen und seine Freunde Emotionen mitteilen, wenn wir schon ihre Sprache nicht verstehen.
Eine Lokalisierung kann auch bei Pressemitteilungen oder Shoptexten erforderlich sein. Eine Synchronisation der Kurzfilme und Songs ist hingegen nicht nötig – hier singen die Monster ohnehin oft nur „Labu-Labubu“.
Welten erschaffen und übersetzen: World of Warcraft
Zur Popkultur zählen zweifelsohne auch Videospiele. Eines der bekanntesten Online-Rollenspiele ist „World of Warcraft“ (WoW), das seit 2004 läuft und regelmäßig Erweiterungen der Inhalte erhält. Um das Spiel immersiver zu machen, wurden mit einem frühen Update im Jahr 2006 auch viele Eigennamen lokalisiert, was nicht bei allen Nutzern gut ankam.
Zur Lokalisierung des Spiels gehören nicht nur vollständig übersetzte Texte, sondern auch eine deutsche Vertonung vieler Charaktere. Herausforderungen gibt es bei der Spielelokalisierung viele, erst recht, wenn eine Reihe schon so lange läuft. Doch jede eigene Welt, jeder Quest-Strang oder die individuelle Sprache eines Charakters im Spiel kann sich als Fallstrick erweisen.
In WoW berichten viele Spieler, dass die Qualität der Übersetzungen ins Deutsche mit den letzten Erweiterungen abgenommen habe. Hintergrund soll sein, dass 2020/2021 eine Zweigstelle des Entwicklers Blizzard geschlossen wurde und die Umstrukturierungen im Projektmanagement auch die Zusammenarbeit mit Übersetzern beeinträchtigen würden (Quelle: MeinMMO). Doch trotz möglicher Einsparungen ist eine so umfangreiche Übersetzung gerade für Spieler, die ungern auf Englisch spielen, ein wichtiger Faktor, um auch künftig Geld für neue Inhalte auszugeben.
Popkulturelle Übersetzungen: Darauf sollten Sie achten
In diesem Artikel haben wir uns einige Beispiele aus der Popkultur angeschaut und sind kurz auf unterschiedliche Aspekte von Übersetzungen eingegangen. Übersetzungen tauchen oft an mehr Stellen im Arbeitsprozess auf, als wir denken – und sie können ganze Generationen prägen. Als Sprachdienstleister empfehlen wir daher: Nehmen Sie sich Zeit bei der Auswahl der passenden Dienstleistung. Manchmal ist eine KI-Übersetzung praktisch, in anderen Fällen sollten Sie aber auf eine vollständige Lokalisierung, möglicherweise mit Vertonung, setzen. Sollen Sie unsicher sein, welches Maß an Kreativität bei Ihrem Projekt angebracht ist und welche Leistung zu Ihnen passt, sprechen Sie uns gerne an!
