Für uns völlig selbstverständlich: Beim Schreiben nutzen wir Interpunktionszeichen wie Punkte, Kommas oder Fragezeichen. Sie sind für die Verständlichkeit und Wirkung eines Textes von zentraler Bedeutung und geben vor allem einen Hinweis darauf, wie der Text betont oder gelesen werden sollte – ob laut oder leise. Wer übersetzt, muss nicht nur grundsätzlich verstehen, wie Interpunktion verwendet wird, sondern auch, wo sprachspezifische Unterschiede liegen. In diesem Beitrag schauen wir uns genauer an, wo Interpunktion beim Übersetzen interessant ist.
Wo ist Interpunktion geregelt?
Ob Satzzeichen verwendet werden – und wenn ja, wo – ist in vielen Sprachen ähnlich, aber nicht überall gleich. Im Deutschen ist der Rat für deutsche Rechtschreibung maßgeblich an der Standardisierung beteiligt und teilt alle Informationen schriftlich mit: „Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung“ heißt das Werk, in dem wir die Zeichensetzung im Deutschen (für Deutschland) nachlesen können.
Für andere Länder regeln es beispielsweise diese Werke:
- „Ortografía de la lengua española“ der Real Academia Española
- „The Chicago Manual of Style“ der University of Chicago Press
- „Guide du typographe“ der Association suisse des typographes aus Lausanne
- „GB/T 15834-2011“ als Norm für die chinesische Sprache der Volksrepublik China
Teils sind diese Regelwerke bindend, in anderen Fällen lediglich eine Empfehlung. Entscheidend dafür ist auch, wer das Werk herausgibt.
Üblicherweise werden derartige Regelwerke aber nur für die Standardvarietät einer Sprache (in einem Land) herausgegeben. Gerade bei kleineren Sprachen, die keine offizielle Landessprache sind, gibt es solche Festsetzungen daher häufig nicht.
Orthografische Satzzeichen im Deutschen
Das Deutsche kennt eine Vielzahl von Interpunktionszeichen, die im Übersetzungsprozess beachtet werden müssen – auch, weil andere Sprachen ähnliche Zeichen anders verwenden.
Beispiele im Deutschen:
- Satzschlusszeichen: Punkt (.), Fragezeichen (?), Ausrufezeichen (!)
- Semikolon (;): trennt gleichrangige Hauptsätze, aber wird im Deutschen deutlich seltener verwendet als im Englischen oder Französischen
- Doppelpunkt (:): häufig vor direkter Rede oder Aufzählungen
- Anführungszeichen („ “): zur Kennzeichnung von Zitaten und wörtlicher Rede
- Gedankenstrich (–): für Einschübe oder Hervorhebungen
- Apostroph (’): z. bei Auslassungen (wie geht’s) oder zur Pluralbildung von Abkürzungen (CD’s, umgangssprachlich, aber normativ oft fragwürdig)
- Klammern ((), [], {}): zur Einschließung von Zusatzinformationen oder Anmerkungen
Wenn wir also Sätze mit einem Punkt beenden, wörtliche Rede mit einem Doppelpunkt einleiten oder uns über „Cecilia’s Kiosk“ ärgern, kennen wir die Regeln und Zeichen.
Einzigartige Satzzeichen
In anderen Sprachen gibt es Interpunktionszeichen, die uns im Deutschen fremd sind und deren Nutzung wir auf Anhieb vielleicht gar nicht verstehen. Auch das ist beim Übersetzen wichtig, denn die intendierte Bedeutung dieser Satzzeichen möchte adäquat wiedergegeben werden.
Beispiele für Satzzeichen in anderen Sprachen:
- Spanisch: Umgedrehtes Fragezeichen (¿) und Ausrufezeichen (¡) am Satzanfang (¿Cómo estás? / ¡Qué sorpresa!).
- Arabisch: Gespiegeltes Fragezeichen (؟), um die Schreibrichtung einzubeziehen (das Neuhebräische nutzt „unser“ Fragezeichen)
- Griechisch: Das Semikolon wird als Fragezeichen verwendet (;).
- Armenisch: Eigenes Fragezeichen (՞), das auf dem betonten Vokal innerhalb des Fragewortes gesetzt wird
- Japanisch und Chinesisch: Sätze werden mit einem Punkt (。) beendet. Im Chinesischen gibt es außerdem ein Aufzählungskomma (dunhao, 、).
Übersetzer müssen also mit den zeichenspezifischen Konventionen der Zielsprache vertraut sein – andernfalls leidet die Natürlichkeit und Lesbarkeit der Übersetzung.
Leerzeichen und „French Spacing“
Nicht nur die Satzzeichen selbst, sondern auch deren Abstand zu den Wörtern variiert international. Besonders auffällig ist das sogenannte „French Spacing“, also die Verwendung von geschützten Leerzeichen vor bestimmten Zeichen.
Beispiele im Französischen:
- Vor Doppelpunkt, Semikolon, Fragezeichen und Ausrufezeichen steht ein geschütztes Leerzeichen (exemple : oui !).
- Vor und nach „Guillemets“ (Anführungszeichen) werden Leerzeichen gesetzt (« Bonjour »).
Diese typografischen Feinheiten wirken sich unmittelbar auf die Layout-Qualität und Authentizität einer Übersetzung aus.
Anführungszeichen: Vielfalt in Form und Funktion
Anführungszeichen sind weit verbreitet, aber nicht standardisiert. Ihre Geschichte beginnt im 16. Jahrhundert mit Marginalzeichen, die in den Satz „wanderten“. Seither entwickelten sich unterschiedliche Formen und Funktionen.
Hauptanwendungsfälle:
- Wörtliche Rede
- Zitate
- Ironie oder distanzierte Hervorhebung
- Titel oder Fachbegriffe (in bestimmten Stilen)
Beispiele verschiedener Anführungszeichen:
- Deutsch: „Gänsefüßchen“ oder ‚halbe‘ Varianten
- Englisch: “Double quotes” und ‘single quotes’ (britisches Englisch: meist umgekehrt)
- Französisch: « Guillemets » mit geschütztem Leerzeichen
- Schweiz (Deutsch): «Guillemets» ohne Leerzeichen
- Italienisch: «caporali»
- Japanisch: 「角括弧」und 『二重括弧』
Besonders schön: Im deutschsprachigen Raum sind liebevolle Bezeichnungen wie „Tüddelchen“ oder „Tüddel“ für Anführungszeichen gebräuchlich – insbesondere in norddeutschen Dialekten.
Sprachen ohne (historische) Interpunktion
Nicht alle Sprachen nutzten von Anfang an Satzzeichen. Die meisten klassischen Schriftsysteme kamen ohne sie aus:
- Sanskrit und Marathi: lange Zeit keine Interpunktion; später Nutzung von ⟨।⟩ und ⟨॥⟩
- Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch (chữ Nôm): keine Interpunktion vor dem 19. Jahrhundert, Einführung durch westliche Einflüsse
- In klassischen chinesischen Texten wird der Satzfluss aus dem Kontext erschlossen – eine Herausforderung für das moderne Textverständnis und die Übersetzung.
In modernen Varianten dieser Sprachen hat sich ein eigenes Interpunktionssystem etabliert, das sich optisch und funktional von westlichen Normen unterscheidet – z. B. durch andere Zeichenbreiten oder alternative Satzschlusszeichen.
Warum Interpunktion beim Übersetzen entscheidend ist
Für professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer ist die korrekte Interpunktion kein Nebenschauplatz, sondern fester Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Übersetzung.
Satzzeichen beeinflussen:
- Lesbarkeit und Klarheit
- Tonfall und Aussageabsicht
- Layout und typografische Konsistenz
- Authentizität im Zieltext
Schon ein fehlendes Fragezeichen oder ein falsch gesetztes Komma kann den Eindruck eines Textes massiv verändern. Deshalb gilt bei LEGINDA das Prinzip: Nur Muttersprachler kennen die Regeln und Nuancen ihrer Sprache bis ins Detail.
Zudem arbeiten wir nach dem Ziellandprinzip: Eine französische Übersetzung für Kanada unterscheidet sich typografisch und stilistisch von einer für Frankreich. Das gilt auch für Interpunktion, Leerzeichen und Anführungszeichen.
Sie möchten sicherstellen, dass Ihre Übersetzungen nicht nur sprachlich, sondern auch typografisch überzeugen? Dann setzen Sie auf professionelle Übersetzungen mit sprachlichem Feingefühl und Sinn für Details – wir beraten Sie gern!