Filmsynchronisierung ja oder nein?

Immer wieder treffe ich auf Leute, die mich fragen, wozu Filme und Serien überhaupt übersetzt und synchronisiert werden. Schließlich geht es in anderen Ländern ja auch ohne. Viele fühlen sich sogar „bekehrt“, wenn sie während ihres Auslandssemesters (zum ersten Mal) in Berührung mit Originalversionen kommen und hinterher „nie wieder“ synchronisierte Filme ansehen möchten. Als Übersetzer fühlt man sich zunächst vielleicht etwas angegriffen, kommt dann jedoch ins Grübeln und überlegt, ob Synchronisierungen tatsächlich notwendig und sinnvoll sind. Schließlich geht tatsächlich oftmals einiges „verloren“ – Witze können beispielsweise nicht in die Zielsprache übertragen werden. Und in Schweden oder Luxemburg wird ja auch nichts synchronisiert – höchstens untertitelt, wenn es sich nicht um englischsprachige Filme handelt. Jetzt kann man von der einen Seite her argumentieren, dass in diesen Ländern sowieso jeder sehr gut Englisch spricht. Doch wären die Deutschen vielleicht eher dazu angehalten, Englisch zu lernen, wenn es keine muttersprachliche Übersetzung der allseits beliebten Hollywood-Streifen gäbe? Wollen die Deutschen unbedingt synchronisierte Filme sehen?

Dank des DVD- und Blu-Ray-Zeitalters ist es heutzutage jedem selbst überlassen, welche Version er sehen möchte. Ich als Übersetzerin vergleiche natürlich gerne Originalversion und Übersetzung, überlege, was verloren geht und warum ich eine Synchronisierung gelungen oder eher schlecht finde. Es gibt tatsächlich Filme, die ich mir trotzdem gerne in der deutschen Version angucke, weil die Sprache natürlich klingt, die Stimmen zu den Personen passen und vielleicht gute Witze enthalten sind. Handelt es sich um kulturelle Eigenheiten, kann es nämlich gut sein, dass sich einem Nichtmuttersprachler der Sinn eines Witzes nicht erschließt – gerade wenn die Englischkenntnisse sich auf Schulniveau bewegen und über einfache Unterhaltungen nicht hinausgehen. In Deutschland kann nun einmal nicht jeder sehr gut Englisch – gerade die ältere Generation ist auf Übersetzungen angewiesen. Außerdem liegen Fremdsprachen nicht jedem gleich gut. Dies ist auch in Ländern wie Schweden oder Luxemburg ein Problem. Es ist Fakt, dass nicht jedes Kind ein gutes Sprachgefühl hat und mit dieser Zwei- oder Dreisprachigkeit überfordert ist. Manche Eltern müssen beispielsweise beim Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte selbst ein englischsprachiges Buch in die Muttersprache übersetzen.

Daher spreche ich mich für die Synchronisierung aus. Anglistik-Studenten und Eltern von sprachlich begabten Kindern haben genug Möglichkeiten, sich die Originalversionen anzusehen.

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