Musik verständlich machen

Musik berührt, auch über Sprachgrenzen hinweg. Dieser emotionale Gehalt wird vor allem über die Melodie, die Töne, transportiert, aber auch der Text ist wichtig. Läuft unser Lieblingslied im Radio, singen wir mit – gefällt der Text nicht, kritisieren wir ihn. So geschehen jüngst beim Echo 2018 und den Texten auf dem Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ von Farid Bang und Kollegah. Die Diskussion um die Texte sorgten schließlich vorerst für die Abschaffung des deutschen Musikpreises. Doch Musik verschließt sich vielen Menschen – aus unterschiedlichen Gründen:

Musik bleibt ungehört

In Deutschland leben ca. 80.000 Gehörlose. Für sie fehlt bei Musik eine entscheidende Komponente, nämlich der Ton. Konzerte oder Discos sind für sie oft uninteressant, auch wenn sie die Bässe und Vibrationen spüren.

Um das Gefühl von Liedern oder Musikstücken auch für Taube erfahrbar zu machen, übersetzt die Gebärdensprachdolmetscherin Laura Schwengber Musik. Dabei nutzt sie den Text als Grundlage für eine Choreografie, die sowohl die Botschaft trägt, als auch Melodie und Rhythmus. Das funktioniert mit Pop und Rock, aber auch mit Klassik.

Eine besondere Herausforderung stellte der Eurovision Song Contest in Lissabon dar, bei dem die 27-jährige ganze 43 Titel lernen musste, um sie dem Publikum verständlich zu machen. Hierbei nutzt sie nicht nur die offizielle Gebärdensprache, sondern arbeitet darüber hinaus mit dem ganzen Körper.

Fehlende Sprachkenntnisse

Doch auch, wer Instrumente und Gesang hören kann, versteht Lieder deswegen noch nicht. Oft sind es mangelnde Sprachkenntnisse, die dafür sorgen, dass ein Lied beim Publikum nicht so ankommt, wie vom Künstler geplant. Bestes Beispiel dafür ist die Radiohörerin, die sich den „Agathe-Bauer-Song“ wünschte – aber eigentlich „I‘ve got the power“ von Snap! meinte.

Viele Musiker machen sich diese Tatsache zunutze und singen bekannte englische Lieder auf Deutsch. Dabei wird der Text nicht wörtlich übersetzt, sondern zunächst die Botschaft erkannt und dann eine passende Übersetzung gefunden, die auch zur Melodie und zum Takt passt. Eine Herausforderung für Übersetzer, aber ein Gewinn für all jene, die das Original nicht verstehen. Beispielsweise sang Vicky Leandros „Weil mein Herz dich nicht vergisst“ und nutzte den Erfolg von Celine Dions Original „My heart will go on“.

Auch die Gebärdensprachdolmetscherin Schwengber übersetzt Texte zunächst ins Deutsche, um sie dann in Mimik und Gestik zu übertragen.

Defizite werden sichtbar

Wem es bei der Erfahrung von Musik nicht nur um das Gefühl geht, sondern sich intensiver mit den Texten beschäftigt, wird so auch mit ihren Defiziten konfrontiert. Nicht immer sind Lieder schließlich gehaltvoll, sondern wollen nur unterhalten. Auch das ist legitim.

In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, welche Nachteile maschinelle Übersetzungen haben: Sängerin Julia Koep singt auf YouTube bekannte fremdsprachige Hits auf Deutsch nach – und nutzt dabei den Google Translator.

Quellen:

http://www.gehoerlosen-bund.de/faq/geh%C3%B6rlosigkeit

https://www.bernerzeitung.ch/kultur/pop-und-jazz/die-siegerin-der-herzen-am-esc/story/21082146

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