Wie Sprachen unser Leben und einander beeinflussen

Angeblich haben Eskimos die meisten Wörter für Schnee. Und in der Tat ist es so, dass unsere Lebensumstände unsere Sprache prägen. Je nach Klimazone, Flora, Fauna und Form des Zusammenlebens entwickeln wir also unterschiedliche Begriffe, die mehr oder weniger wichtig für die Kommunikation sind. Bei über 6.500 Sprachen, die weltweit gesprochen werden, sind Unterschiede vorprogrammiert. Und die Beachtung dieser kleinen, aber feinen Unterschiede machen eine professionelle Übersetzung aus.

Nur ein Wort für Schnee

Dort, wo kein Schnee fällt, reicht den Menschen ein Wort, um sowohl Schnee als auch Eis zu bezeichnen. Da die Unterscheidung unterschiedlicher Schneetypen für Eskimos und andere Inuitvölker aber lebenswichtig sein kann, ist eine genaue Differenzierung nötig geworden. Offenbar sind es aber die Schotten, die mit 421 Wörtern für Schnee die Weltrangliste anführen (Quelle).

Kurz und knackig

Viele Wörter für Schnee, aber keine „Schadenfreude“? Es gibt auch Tatsachen und Gefühle, die nur in einer oder wenigen Sprachen einen konkreten Begriff haben. Das Gefühl der Schadenfreude – also die Freude darüber, wenn jemand anderem ein Missgeschick unterläuft – kennen in der Tat nicht nur wir Deutschen. Aber wir haben dem Ganzen einen eigenen Ausdruck gewidmet, der es sogar in andere Sprachen geschafft hat.

Andere Gefühle sind nicht universell, das portugiesische „saudade“ beispielsweise. Dieses Nomen beschreibt eine Art Weltschmerz, eine melancholische Sehnsucht. Und als absolut unübersetzbar kürten Linguisten und Übersetzer das Wort „ilunga“ aus der Bantusprache Tshiluba (Quelle). „Ilunga“ sei das Wort für eine Person, die eine Beleidigung oder Schmähung einmal vergibt, das zweite Mal toleriert, aber niemals ein drittes Mal ignoriert.

Technische Neuerungen prägen Sprachen

Wörter, die in mehreren Sprachen in gleicher oder ähnlicher Bedeutung existieren, nennt man Internationalismen. An ihnen kann man sich entlanghangeln, aber sie können auch „falsche Freunde“ sein. Gerade wissenschaftliche oder technische Begriffe werden schneller in andere Sprachen entlehnt und somit zu Internationalismen. Dazu gehören Kaffee, Hotel, Maschine oder Zentrum, die in sehr vielen Sprachen weltweit ähnlich sind.

Sprachkontakt bereichert

Auch der stetige  Kontakt zu einem anderen Kulturkreis kann einen starken Einfluss auf die Sprache haben. Durch die jahrhundertelange Herrschaft der Mauren in Spanien wurden viele Begriffe (inklusive des Artikels „al“) übernommen: „alcohol“ (Alkohol), „azúcar“ (Zucker) oder „algodón“ (Baumwolle) sind nur einige Beispiele dafür.

Im Türkischen wurden zwar auch viele arabische Wörter übernommen, aber auch das Französische hat die türkische Sprache im 19. Jahrhundert stark geprägt. Türken gehen zum Haareschneiden zum „kuaför“ (von frz. „coiffeur“) und verabreden sich zu einem „randevu“ (von „rendez-vous“). Dahin fährt sie dann der „şoför“ (von frz. „chaffeur“). Fast 5.000 dieser Lehnwörter aus dem Französischen haben die Türken bis heute erhalten.

Es sind also nicht nur unsere Lebensumstände, die unsere Sprache prägen. Auch wir selbst tun es: Durch neue Erfindungen, durch Reisen oder durch Wortneuschöpfungen.

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