Sag’s einfach mit Leichter Sprache

In Berliner Museen gibt es in vielen Ausstellungen mittlerweile nicht mehr nur deutsche und englische Texte, sondern noch eine dritte Texttafel in „Leichter Sprache“. Auch der NDR bietet einen Teil seines Service in Leichter Sprache an, genauso wie die Bundesregierung. Aber was ist das überhaupt?

Das ist Leichte Sprache

Das Netzwerk Leichte Sprache setzt sich seit 2006 dafür ein, schwierige und komplizierte Texte zu vereinfachen, damit sie besser verständlich sind. Indikatoren für schwierige Texte sind Fachwörter, Fremdwörter oder lange Sätze. Leichte Sprache ist einfaches und leicht verständliches Deutsch.

Für wen wird Leichte Sprache gemacht?

Bei der Leichten Sprache geht es um die Barrierefreiheit von Texten. Auch Menschen mit Behinderungen sollen die gleichen Möglichkeiten zu Teilhabe haben wie Menschen ohne Behinderung. Während für Rollstuhlfahrer Rampen gebaut und es für Blinde Texte in Blindenschrift oder Blindenhunde gibt, soll Leichte Sprache Lernbehinderten oder Menschen mit geistiger Behinderung helfen, Texte zu verstehen. Auch Personen, die nicht gut lesen können, sollen Texte in Leichter Sprache besser verstehen können, ebenso wie Leute, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Die Lebenshilfe Bremen weitet aus, dass das Angebot der Leichten Sprache auch für alte Menschen und Jugendliche gelte.

Regeln für Leichte Sprache

Die Vereinfachung von Texten klingt einfacher als sie ist. Darum hat das Netzwerk Leichte Sprache Regeln herausgegeben, an denen sich Behörden und Ämter orientieren können, wenn sie Texte herausgeben.

Diese Punkte sind bei Leichter Sprache wichtig:

  • Einfache Wörter und kurze Sätze nutzen
  • Verzicht auf Fachwörter, Fremdwörter und Synonyme für Wörter
  • Trennung von langen Wörtern durch Bindestriche
  • Nutzung von Aktivsätzen und Verben
  • Gliederung von Texten durch Absätze, Überschriften, Bilder – ebenso: ein Satz pro Zeile
  • Vereinfachung von Grammatik, z.B. Vermeidung von Genitiv und Konjunktiv
  • Vermeidung von bildhafter Sprache
  • Reduzierung auf eine gut lesbare Schriftart in großer Schriftgröße
  • Hervorheben von wichtigen Inhalten
  • Prüfung von Texten durch Menschen mit Lernschwierigkeiten, um Verständlichkeit sicherzustellen

Sinnveränderung durch Leichte Sprache

Leichte Sprache fällig häufig deswegen auf, weil die Inhalte sich von denen in regulärem Deutsch unterscheiden.  Das Regelwerk weist darauf hin, dass eine Veränderung von Texten möglich ist, wenn sie in Leichte Sprache übertragen werden. Inhalt und Sinn sollen korrekt sein, müssen aber nicht übereinstimmen.

Wo wird Leichte Sprache genutzt?

Nicht nur Museen und der NDR stellen Teile ihrer Inhalte in Leichter Sprache zur Verfügung, sondern vor allem Ämter und Behörden. So sollen alle in Deutschland lebenden Menschen die Möglichkeit zur Teilhabe erhalten. Auf der Internetseite der Bundesregierung beispielsweise können Sie zwischen der Anzeige von Inhalten auf Deutsch, Englisch, Französisch, aber auch in Gebärdensprache und Leichter Sprache wählen. Zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein wurde erstmals auch eine Wahlbenachrichtigung in Leichter Sprache versendet, die bei vielen Bürgern für Irritation gesorgt hat.

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