Mehrsprachigkeit im Vergleich

Denken wir an mehrsprachige Länder, fällt uns in Europa häufig die Schweiz ein. Gleich vier offizielle Sprachen haben die Eidgenossen: Neben Deutsch, Französisch und Italienisch ist auch Rätoromanisch eine der Schweizer Amtssprachen. Dabei kann jeder der 26 Kantone selbst entscheiden, welche Sprache er als Amtssprache nutzt. Wer in eine andere Region der Schweiz zieht, muss sich auch sprachlich anpassen. Doch so territorial geordnet wie in der Schweiz – oder auch in Belgien – ist die Mehrsprachigkeit nicht in allen Ländern. Häufig existieren die Sprachen parallel, teils werden sie aber auch auf unterschiedlichen Ebenen genutzt.

Mehrsprachigkeit in Luxemburg

Luxemburg ist recht klein, trotzdem sind hier Französisch, Deutsch und Luxemburgisch koexistierende Amtssprachen. Ganze 70% der Luxemburger sprechen das noch bis ins 20. Jahrhundert hinein als Dialekt des Deutschen betrachtete Letzeburgisch und auch Literatur wird in dieser Sprache verfasst. Für den Kontakt mit offiziellen Stellen dürfen Luxemburger eine der drei Amtssprachen frei wählen und haben das Recht auf eine Antwort in dieser Sprache. So gehört in Luxemburg die Mehrsprachigkeit zum Alltag.

Sprachvielfalt in Russland

Anders sieht es in Russland aus: Das riesige Land liegt auf zwei Kontinenten und umfasst zahlreiche Regionen, in denen vorwiegend andere Sprachen als das Russische gesprochen werden. Von offizieller Seite aus gab es in den letzten Jahren jedoch verstärkt Bestrebungen, Russisch als Verkehrssprache zu stärken.

Allerdings gibt es über das Land verteilt vermutlich mehr als 100 Sprachen, die teils auch in den 21 Republiken der Russischen Föderation als Amtssprachen genutzt werden. Dazu gehören beispielsweise Tatarisch, Karelisch, Tschetschenisch oder Burjatisch – eine Turksprache, eine Finno-ugrische Sprache, eine Nordostkaukasische Sprache und eine Mongolische Sprache.

Unterschiede in der Mehrsprachigkeit

Wie auch in Russland gibt es in vielen Ländern Sprachen, die zwar gesprochen, aber nicht als offizielle Amtssprachen anerkannt sind. Dazu gehören nicht nur Sprachen von Einwanderern, sondern beispielsweise auch indigene Sprachen. Bolivien und Papua-Neuguinea sind Länder mit einer besonders großen Sprachvielfalt. Allerdings ist die Mehrsprachigkeit eines Landes immer von der Mehrsprachigkeit einzelner Sprecher abzugrenzen – natürlich spricht nicht jeder Schweizer sowohl Deutsch, als auch Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.

So ist Mehrsprachigkeit immer in Relation zu sehen und auch die Aufgaben für Dolmetscher und Übersetzer unterscheiden sich je nach Art der Mehrsprachigkeit in einem Land. Gerade wenn mehrere Verkehrssprachen gleichberechtigt koexistieren, stehen Übersetzer vor besonderen Herausforderungen.

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