Mehrsprachige Länder sind eine Herausforderung für Übersetzer

Wer für den deutschen Markt übersetzt, hat es einfach: In Deutschland gibt es nur eine einzige Amtssprache, nämlich Deutsch. Alle offiziellen Texte sind in Deutsch verfasst, Gerichtsverfahren finden in deutscher Sprache statt, der Schulunterricht wird in Deutsch abgehalten. Egal, in welchem Bereich des Landes man sich befindet: Überall gelten die gleichen Regeln der Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Doch das ist nicht in allen Ländern auf der Welt so.

Mehrsprachige Übersetzung: Diese Schwierigkeiten gibt es

Während es in vielen Ländern nur eine offizielle Amtssprache gibt, verzeichnen manche Länder auch mehrere. In der Schweiz beispielsweise gibt es mit Deutsch, Italienisch, Französisch und Rätoromanisch ganze vier Amtssprachen. Bolivien bringt es sogar auf 36: Neben Spanisch, das im ganzen Land offiziell gesprochen wird, gibt es indigene Sprachen, wie beispielsweise Quechua, die in verschiedenen Bereichen des Landes benutzt und ebenfalls offiziell anerkannt sind.

Wenn nun eine Übersetzung für ein Land mit mehreren Amtssprachen angefertigt werden muss, ist abzuwägen, in welche Sprache überhaupt übersetzt werden muss. Handelt es sich um ein offizielles Dokument, um Werbung oder persönliche Unterlagen? Muss die Übersetzung von einer Behörde, einem Unternehmen oder einer Privatperson verstanden werden? Muss es eine beglaubigte Übersetzung sein? All diese Faktoren müssen berücksichtigt werden. Denn ein Bewohner der Deutschschweiz kann mit einem Text in italienischer Sprache natürlich nur wenig anfangen. Und in Bolivien sprechen beispielsweise rund 7,5 Prozent der Bevölkerung kein Spanisch, sondern nur Quechua.

Als zusätzliche Schwierigkeit kommt hinzu, dass die offizielle Amtssprache nicht unbedingt zuverlässig die sprachliche Situation eines Landes spiegelt. Die Schweiz und Bolivien gehören zu den wenigen Ländern, die alle Landessprachen als Amtssprachen anerkennen. Viele andere Länder berücksichtigen Minderheitensprachen gar nicht oder nur auf lokaler Ebene. Das sorgt natürlich für größere Einheitlichkeit im offiziellen Geschehen – dennoch kann es unter Umständen sinnvoll sein, eine andere als die offizielle Amtssprache als Sprache für eine Übersetzung zu wählen.

Übrigens: Es gibt Länder, die gar keine offizielle Amtssprache haben – unter anderem einige Staaten der USA. Auch im Vereinigten Königreich ist Englisch zwar in der Realität die von den Behörden verwendete Sprache, jedoch keineswegs als Amtssprache offiziell festgelegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.