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Übersetzen von Abkürzungen & Akronymen: Darum ist es so schwierig

Mit ihnen geht alles etwas schneller und nimmt weniger Platz ein: Abkürzungen. Viele von ihnen setzen wir beim Schreiben ganz natürlich ein, weil wir uns an sie gewöhnt haben. Doch gerade bei Fachübersetzungen können Abkürzungen eine immense Herausforderung darstellen. Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, wo typische Probleme liegen und wie Sie Übersetzungsfehler vermeiden können.

Begriffsklärung

Eine Abkürzung ist eine verkürzte Darstellung eines Wortes oder ein Wortgruppe, oft durch Auslassen von Buchstaben oder durch das Abschneiden eines Wortes, wie Abk. (für „Abkürzung“) oder usw. (für „und so weiter“).

Es gibt noch weitere Formen der Abkürzung, die häufig genutzt werden, wie Akronyme (Kurzwort, das aus den Anfangsbuchstaben oder -silben mehrerer Wörter gebildet wird, z. B. „NATO“, „Laser“), Initialwörter (Wort aus Anfangsbuchstaben, das buchstabiert wird, z. B. „PKW“), Silbenwörter (wie „Kripo“) oder festgelegte Kürzel (z. B. bei Wertpapieren oder in der Stenografie).

Abkürzungen gibt es sowohl in der Standardsprache als auch in der Fach- und Umgangssprache (z. B. „Bro“ als Abkürzung des englischen Begriffs „brother“).

Schreibweise von Abkürzungen

Abkürzungen funktionieren am zuverlässigsten, wenn sie sich an Konventionen halten. Das bedeutet nicht nur, dass sie in einem bestimmten Sprachbereich bekannt sein müssen und sich alle an die gängigen Abkürzungen halten (anstatt beispielsweise willkürlich neue zu erfinden), sondern auch, dass eine bestimmte Schreibweise eingehalten werden muss.

Für die deutsche Sprache ist die Schreibweise von Abkürzungen auch in der Reform der deutschen Rechtschreibung festgelegt. Dazu gehören auch Regeln, ob und wann Punkte oder Leerzeichen eingesetzt werden (z. B. bei der Nutzung von Maßeinheiten), aber auch die Groß- und Kleinschreibung.

Bedeutung der Übersetzung von Abkürzungen

In vielen Fachtexten ist eine Nutzung von Abkürzungen normal und gewollt. Das beginnt bei juristischen Texten, in denen Gesetze, Verordnungen oder Institutionen abgekürzt werden (z. B. StGB, OLG; eine Übersicht gibt es beispielsweise auf openJur) und zieht sich über den technischen und medizinischen Sektor in nahezu alle Fachbereiche.

Übersetzer müssen nicht nur die Bedeutung in der Ausgangssprache kennen, sondern auch in der Zielsprache sicher wissen, ob, wo und wie abgekürzt wird. Nur dann kann eine gute Übersetzung stattfinden.

Als Auftraggeber können Sie den Prozess ebenfalls unterstützen: Listen mit gängigen Abkürzungen in Ihrem Unternehmen können Sie direkt über unser Onlineportal zur Verfügung stellen. Das ist insbesondere in den Fällen von Bedeutung, in denen sich eigene Abkürzungen ergeben haben, beispielsweise durch eine genutzte Software, eigene Produkte oder Mitarbeiterkürzel. Auch bei wissenschaftlichen Arbeiten ist ein Abkürzungsverzeichnis üblich und sollte für die Übersetzung mitgeliefert werden.

Typische Probleme: Handschriftliche Abkürzungen

Besonders bei medizinischen Fachübersetzungen kann es durch handgeschriebene Bemerkungen zu Problemen kommen. Teilweise gibt es auch mehrere Abkürzungen für denselben Begriff – oder eine Abkürzung kann für unterschiedliche Begriffe stehen. Nicht immer lässt sich aus dem Kontext erkennen, was gemeint ist. Wenn dann noch eine schwer leserliche Schrift hinzukommt, sind Übersetzungsfehler vorprogrammiert.

Eine interessante Liste von Begriffen, die zu Medikationsfehlern führen können, finden Sie hier: Krankenhauspharmazie / Zeitschrift des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e.V. Auch bei Diagnosen können mehrdeutige Abkürzungen zu Problemen führen. In den USA dürfen daher in Arztbriefen keine Abkürzungen mehr verwendet werden.

Abkürzungen in anderen Sprachsystemen

Sprachen wie das Japanische oder Chinesische, die keine Buchstabensprachen sind, kürzen nach anderen Regeln ab.

Im Japanischen wird oft eine Art Silbenwort oder Kofferwort erstellt, denn statt Buchstaben besteht die Schriftsprache aus Silben („Morae“), die aus mehreren Silbensprachen kommen. Je nach Wortherkunft und verwendeter Silbenschrift können hier verschiedene Verfahren zur Abkürzung genutzt werden. Trotzdem können bei einer Übersetzung nicht beliebig Abkürzungen geschaffen werden.

Im Chinesischen gibt es zahlreiche Akronyme, die nicht nur im Internet, sondern auch in der Geschäftswelt oder Alltagssprache relevant sind. Trotzdem kann es hier regionale Unterschiede geben. Bei Übersetzungen ist also auch wichtig, aus welchem Teil Chinas ein Text kommt – oder für welchen er gedacht ist. Die Zielgruppe ist also neben dem Fachbereich immer ein wichtiger Indikator dafür, welcher Ton bei einer Übersetzung getroffen werden muss.

Wir bei LEGINDA arbeiten mit Sprachprofis, die gleichzeitig Experten für ihren Fachbereich sind. Darum können Sie bei der Beauftragung einer Übersetzung neben der Sprachkombination auch auswählen, aus welchem Fachgebiet Ihr Text stammt.

Abschließende Tipps für Auftraggeber & Kunden

Schon beim Schreiben Ihrer Texte sollten Sie darauf achten, Abkürzungen nur so zu nutzen, wie sie dem Inhalt dienen. In fachsprachlichen Dokumenten wird die Verwendung von Abkürzungen oft erwartet – hier „Straßenverkehrsordnung“ oder „Desoxyribonukleinsäure“ auszuschreiben, fällt negativ auf), allerdings muss auch hier ein gesundes Maß eingehalten werden. Die Bedeutung sollte sich immer aus dem Kontext erschließen, Mehrdeutigkeiten sollten Sie vermeiden. Je präziser Sie arbeiten, desto besser wird auch die Übersetzung.

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