Lila statt Schwarz: Übersetzung im Zeichen politischer Korrektheit

Seit Jahrzehnten sind sie in Kinderzimmern auf der ganzen Welt zu finden: die Schlümpfe. Die blauen Fantasiewesen sind die wohl erfolgreichste Schöpfung des belgischen Zeichners Peyo. Nach ihren Anfängen im Comic in den 1950er Jahren haben sie eine große Anzahl weiterer Medien erobert: In den 1980er Jahren wurde eine Zeichentrickserie produziert, auf die große Leinwand haben die Schlümpfe es bereits 1975 erstmals geschafft. 2011 erschien der erste 3D-Kinofilm, der moderne Animation mit realen Aufnahmen verbindet. Zusätzlich sind die Schlümpfe in der Musik und in Form zahlreicher Merchandise-Artikel unterwegs.

Da die Schlümpfe für den weltweiten Markt bearbeitet wurden, gibt es zahlreiche interessante Aspekte ihrer Übersetzung. Dies beginnt bereits bei den diversen Namen, die die einzelnen Schlümpfe in der deutschen Übersetzung haben. Viele Schlümpfe haben beispielsweise mehrere Namen, abhängig von der Übersetzungsversion. Ein Beispiel: Was in der ersten Bearbeitung von Rolf Kauka der „Miesepeterschlumpf“ war, wurde bei Bastei zum „Griesgramschlumpf“, bei Carlsen zum „Brummschlumpf“ und bei Toonfish zu „Muffi, dem Meckerschlumpf.

Doch einer der bemerkenswertesten Aspekte der Übersetzung der Schlümpfe ist die Adaptation der Geschichte „Les Schtroumpfs noirs“ für den internationalen Markt. Der in Deutschland als „Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe“ erschienene Band handelt von einer gefährlichen Krankheit: Wird ein Schlumpf von der Mücke Bzz gestochen, verwandelt er sich in einen Schwarzschlumpf: Seine Haut wird schwarz und er agiert fortan aggressiv und versucht, andere Schlümpfe zu beißen und so ebenfalls anzustecken. Nur durch Glück gelingt es zum Schluss, die Infektion rückgängig zu machen und die Schlümpfe zu retten.

Die schwarze Hautfarbe der „bösen“ Schlümpfe wurde bei der Bearbeitung für den internationalen Markt jedoch geändert: Sowohl in den englischsprachigen Comics als auch in der amerikanischen Zeichentrickserie werden die Schlümpfe lila. Ein Grund hierfür könnte der Wunsch nach politischer Korrektheit sein. Ziel dieser ist es, vereinfacht gesagt, dass niemand aufgrund von Merkmalen wie Geschlecht oder Rasse beleidigt werden darf. Hier war wohl die Hautfarbe in Verbindung mit den zugeschriebenen Merkmalen ausschlaggebend. Beim Umgang mit solchen Themen – wie auch der bereits früher besprochenen Gleichbehandlung der Geschlechter – ist höchste Sensibilität gefragt. Denn was in einem zeitlichen und lokalen Kontext ohne Beanstandung bleibt, muss in anderem anderen Zusammenhang nicht zwangsläufig ebenfalls funktionieren.

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