Was macht ein Schriftdolmetscher?

Übersetzer übertragen geschriebene Sprache – Dolmetscher gesprochene. So merken sich viele den Unterschied zwischen den beiden ähnlichen, aber eben doch auch sehr unterschiedlichen, Berufsbildern. Dann gibt es aber da noch die „Schriftdolmetscher“. Wie kann das funktionieren und was machen die?

Hilfe für hörgeschädigte Menschen

Schriftdolmetscher arbeiten als Unterstützung für Menschen mit einer Hörschädigung, also Schwerhörige, CI-Träger, Gehörlose oder Spätertaubte. Sie übertragen die gesprochene Sprache in Text, also anders als beim Gebärdensprachdolmetschen, wo die gesprochene Sprache in Gesten „übersetzt“ wird. Nicht in jeder Situation und für jeden Menschen ist die Übertragung in Gebärdensprache möglich und sinnvoll, sodass das Schriftdolmetschen eine gute weitere Möglichkeit zur Verständigung ist. Schriftdolmetschen ist rechtlich gesehen eine Kommunikationshilfe.

Der Text kann bequem am Bildschirm oder auf großer Leinwand mitverfolgt werden, sodass eine möglichst normale Teilnahme am Geschehen erlaubt wird.

Die Kosten für die Begleitung durch einen Schriftdolmetscher werden meist vom jeweiligen Kostenträger (z.B. Krankenkasse, Integrationsamt etc.) übernommen.

Wo kommen Schriftdolmetscher zum Einsatz?

Schriftdolmetscher können überall dort tätig werden, wo hörgeschädigte Personen Unterstützung bei der Kommunikation benötigen. Das betrifft sowohl den privaten als auch den beruflichen Bereich – eben überall dort, wo Verständigung nötig ist.

Nicht immer müssen Schriftdolmetscher vor Ort sein, teils ist auch eine Zuschaltung online möglich, beispielsweise bei Vorlesungen in der Uni oder Tagungen.

Hier ist der Einsatz von Schriftdolmetschern möglich:

  • Im Bildungsbereich (Schule, Ausbildung, Weiterbildung, Fortbildungen)
  • Am Arbeitsplatz, z. B. in Vorstellungsgesprächen oder Mitarbeitergesprächen
  • Tagungen, Konferenzen und Veranstaltungen
  • Beim Arzt oder im Krankenhaus
  • Bei der Polizei oder vor Gericht

Diese Möglichkeiten des Schriftdolmetschens gibt es

Wie auch beim sprachbasieren Dolmetschen gibt es auch für Schriftdolmetscher unterschiedliche Methoden der Arbeit. In der Regel wird unterschieden zwischen konventioneller Textverarbeitung, Arbeit mit Spracherkennung und computerkompatibler Maschinenstenographie.

Bei der konventionellen Textverarbeitung schreibt der Schriftdolmetscher mit, was er hört und verkürz oder vereinfacht es, sofern nötig. Selbst bei einer hohen Anschlagzahl ist es aber nicht immer möglich, das Gesagte in Echtzeit niederzuschreiben – das hängt vor allem vom Einsatzbereich und dem Sprechtempo des Redners ab.

Schriftdolmetscher, die mit Spracherkennung arbeiten, sprechen das Gehörte in ein Mikrofon. Eine Computersoftware überträgt das Gesprochene dann in Text – mit all den Fehlern, die diese Programme noch haben.

Wer mit computerkompatibler Maschinenstenographie arbeitet, nutzt eine besondere Stenographie-Tastatur, wodurch die gekürzte Eingabe in herkömmliche „Langschrift“ umgewandelt wird.

Schriftdolmetscher werden

Um als Schriftdolmetscher arbeiten zu können, ist vor allem eine ausgezeichnete Beherrschung der deutschen Schriftsprache nötig. Wie immer beim Dolmetschen ist eine schnelle Auffassungsgabe nötig, gleichzeitig muss auch die Textausgabe zügig möglich sein. Dafür ist entweder eine hohe Anschlagszahl beim Tippen nötig, oder spezielles Zubehör für die Arbeit mit Spracherkennung oder der computerkompatiblen Maschinenstenographie.

Für Schriftdolmetscher gibt es keine einheitliche Ausbildung, dafür aber zahlreiche Weiterbildungen. Beispielsweise in Hessen gibt es seit Oktober 2018 eine staatliche Prüfung zum Schriftdolmetscher. Auch eine Zertifizierung durch den Deutschen Schwerhörigenbund e.V. ist möglich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.