Wie sagt man’s? Trump übersetzen

Amerikas neuer Präsident Donald Trump ist nicht nur auf Magazincovern allgegenwärtig, sondern beherrscht auch alle anderen Medien, nicht nur in Deutschland. Auch wenn der US-Präsident seine Nachrichten per Twitter selbst verbreitet, sind die meisten Bundesbürger beim Verständnis der politischen Inhalte auf professionelle Übersetzungen angewiesen. Bei weitem nicht jeder hat die Möglichkeit, alle Aussagen im Original zu hören oder lesen und beherrscht die englische Sprache so gut, als dass er Trumps Reden verstünde.

 

Dolmetscher unter Zeitdruck

Übersetzer stehen im politischen Kontext oft vor dem Problem, dass sie der breiten Masse Inhalte zugänglich machen müssen, mit denen sie sich im Vorfeld nicht eingehend beschäftigen konnten. Auch wenn das Ziel darin liegt, die Originalbotschaft möglichst getreu wiederzugeben, sorgt der kurze Reaktionszeitraum beim Dolmetschen für Druck. Im Gegensatz zu einem schriftlichen Dokument hat der Simultandolmetscher nicht die Möglichkeit, die Rede vorab komplett zu hören, um die Kernaussagen zu erkennen.

Donald Trump stellt Dolmetscher zusätzlich vor die Herausforderung, den – nicht immer linearen – Gedankengängen des Politikers zu folgen und innerhalb kürzester Zeit sprachlich korrekt wiederzugeben. Bei häufigen Themenwechseln, Widersprüchen oder auch Beleidigungen sind nicht nur die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten der Dolmetscher gefragt, eine “extrem schwierig[e]” Arbeit, sagt der Simultandolmetscher Norbert Heikamp im Spiegel.

 

Übersetzen ist immer auch interpretieren

Doch auch beim Übersetzen von Twitter-Nachrichten oder Reden stehen Sprachdienstleister vor der Frage, wie der Kern der Botschaft erhalten bleibt, das Gesagte aber trotzdem verstanden wird? Sprachliche Kanten können, ja sollten vielleicht, geglättet werden, um deutschen Lesern das Verstehen zu erleichtern. Aber ist die Authentizität noch gegeben, wenn das Original auf diese Weise “bearbeitet” wird?

Und inwiefern, hat ein Übersetzer den Auftrag, das Gesagte oder Geschriebene zu filtern und zu werten? Schon die Entscheidung, welches politische Vokabular genutzt wird, kann beim Rezipienten unterschiedliche Assoziationen hervorrufen. Denise Tschager und Ursula Riezinger vom Internationalen Verband der Konferenzdolmetscher (AIIC) schreiben darum in DiePresse: “Die eigene politische Einstellung darf dabei nicht in die zu übertragende Botschaft einfließen.

 

Das Original für sich sprechen lassen

Als Menschen können wir uns nicht von alldem frei machen, aber Dolmetscher und Übersetzer tragen eine besondere Verantwortung für das Verständnis fremder Sprachen, Kulturen und persönlicher Eigenheiten. Und manchmal ist es vielleicht am besten man macht es wie Heikamp einmal mit Trump und lässt die “Rede dann im Original stehen”.

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