Inklusives Internet – Internet für alle

Das Internet ist global und steht grundsätzlich allen zur Verfügung. Doch nicht jeder Mensch kann das Internet nutzen, selbst wenn ihm die nötige Infrastruktur zur Verfügung steht. Denn gerade Menschen mit Behinderung erfahren im Internet oft weitreichende Einschränkungen, sodass sie das World Wide Web nicht oder nur teilweise erfahren können. Das Europäische Parlament hat darum befunden, dass öffentliche Institutionen ihre Internetauftritte barrierefrei (Stichwort inklusives Internet) gestalten müssen.

Was bedeutet im Internet „barrierefrei“?

Im barrierefreien Internet geht es darum, dass alle Nutzer die Webangebote ohne Einschränkungen nutzen können – unabhängig davon, ob sie selbst Einschränkungen mitbringen. Dabei muss es sich nicht um Behinderungen handeln, denn auch beispielsweise eine altersbedingte Sehschwäche kann eine Einschränkung sein, welche die Nutzung einer Website erschwert.

Außerdem soll bei der Barrierefreiheit im Internet auch eine Unabhängigkeit von der Plattform gegeben sein – die Seiten sollen also sowohl am PC als auch auf dem Handy oder anderen Geräten problemlos funktionieren und ihre Informationen bereitstellen.

Bei barrierefreien Internetauftritten geht es nicht darum, „Sonderseiten“ oder spezielle Inhalte für Menschen mit diversen Einschränkungen bereitzustellen, sondern die reguläre Website zugänglich zu gestalten.

Diese Barrieren gibt es im Internet

Wer eine Internetseite hat, kann dabei auf zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten zurückgreifen und sich bei der Aufteilung, Farbgebung, Nutzung von Bildern und Bewegtbildern frei entfalten. Technologien wie Flash und JavaScript können das noch optimieren – doch unter all der Freiheit leidet der Zugang für Menschen mit Einschränkungen.

Häufige Probleme auf Webseiten sind:

  • Nutzung von Bildern ohne Beschreibung: Wer die Bilder nicht sehen kann, benötigt eine aussagekräftige Beschreibung, z. B. im „Alt“-Text
  • Schlecht strukturierte Texte: Eine gute Aufteilung ist schon für normale Leser wichtig, doch wenn Blinde Websitetext in Brailleschrift umwandeln oder sich vorlesen lassen, ist Struktur noch wichtiger. Dazu gehört auch das Markieren von Überschriften per HTML als Überschrift, nicht nur als „fetten Text“.
  • Videos ohne Untertitel: Wer schlecht oder gar nicht hört, benötigt bei Videomaterial Untertitel, um folgen und verstehen zu können
  • Zu komplizierte Texte: Nicht jeder Mensch tut sich beim Lesen leicht. Hier helfen Übersetzungen in Leichte Sprache, um auch schwierige Inhalte für alle zugänglich zu machen
  • Zu kleine Schrift: In vielen Browsern können Menschen mit Sehschwäche die Schriftgröße skalieren, um Texte besser lesen zu können – darunter leidet bislang oft das Layout der Website
  • Schlechte Kontraste: Nicht nur für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche können die falschen Farben und zu geringe Kontraste für Probleme sorgen
  • Fehlende Anpassung für Mobilgeräte: Viele Nutzer greifen heute über Smartphones auf Internetseiten zu, was zu Darstellungsproblemen führen kann
  • Sicherheitshürden wie CAPTCHA-Tests: Wenn auf Bildern Buchstaben, Zahlen oder Symbole erkannt und dann eingetippt werden sollen, z. B. um sich zu verifizieren, sorgt das bei vielen Nutzern für Probleme

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere „Stolperfallen“, die dazu führen, dass eine Internetseite nur eingeschränkt nutzbar ist. Tatsächlich sind es oft bereits PDF-Dateien, bei denen die reguläre Hilfssoftware für Blinde nicht mehr arbeiten kann, da eine Texterkennung erschwert oder unmöglich gemacht wird.

Accessibility und Usability sollten bei der Einrichtung einer Website darum eine besondere Rolle spielen.

Inklusives Internet: Umgestaltungsmöglichkeiten

Bis 2020 sollen öffentliche Institutionen wie Kommunen ihre Internetauftritte so umgestaltet haben, dass sie inklusiv – und somit ohne Hürden nutzbar – sind.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat bereits zwei seiner Auftritte so umgestaltet, dass sie „von allen“ nutzbar sind. Geholfen haben dabei Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen, sodass die tatsächlichen Bedürfnisse berücksichtigt wurden.

Besonders wichtig ist dabei der leichte Zugang zu alternativen Angeboten. Über einen Button mit der Aufschrift „Hilfen“ (direkt neben dem Inhaltsverzeichnis) bietet beispielsweise die Website des Museums LWL-Freilichtmuseum Hagen wichtige Informationen.

Das kann man für eine inklusive Internetseite tun:

  • Übersetzungen nicht nur in Fremdsprachen, sondern auch in Leichte Sprache anbieten
  • Videos nutzen und untertiteln oder einen Gebärdensprachdolmetscher einblenden
  • Vorlesefunktion direkt einbinden
  • Hohe Kontraste nutzen oder per Knopfdruck nutzbar machen
  • Schriftgröße anpassbar gestalten
  • Gute und einfache Struktur nutzen
  • Mit aussagekräftigen Bildern und Symbolen arbeiten

Auch Übersetzen ist inklusiv

Gerade in mehrsprachigen Ländern und Regionen ist nicht nur die Übersetzung der Inhalte in Leichte Sprache, Brailleschrift oder Gebärdensprache wichtig, sondern die Verfügbarkeit in mehreren Sprachen. Auch in Grenzregionen kann es nützlich sein, wenn eine Website in weiteren Sprachen außer der Landessprache verfügbar ist. Dabei sollte Englisch nicht die einzige Option bleiben, sondern die tatsächlichen Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe beachtet werden.

In der Grenzregion zu Frankreich, Belgien oder Luxemburg sollte eine Übersetzung Deutsch-Französisch zur Verfügung stehen, um Besucher und Kunden über das eigene Angebot zu informieren. In Tourismusregionen mit stark internationaler Ausrichtung können sogar Chinesisch oder Arabisch nützliche Sprachen sein, in welchen eine Website angeboten werden sollte.

Auch wenn die Verpflichtung zum inklusiven Internet lediglich öffentliche Institutionen betrifft, können auch private Unternehmen von den Möglichkeiten profitieren und Kunden an sich binden, die vorher nur eingeschränkt auf den Internetauftritt zugreifen konnten.

Quellen:

Stefan Werding: Der LWL macht das Internet inklusiv, Westfälische Nachrichten vom 12.03.2019, auf: https://www.wn.de/Muensterland/3700094-Alles-fuer-alle-Der-LWL-macht-das-Internet-inklusiv?fbclid=IwAR215OFMbvnbefda3PFm9XplHSSymGLlkNKgBAo2BYW–GqDr9s5r4cpTjY

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