Wie sage ich’s höflich (in anderen Sprachen)?

Dass in einigen Sprachen geduzt wird, auch wenn es um formelle oder geschäftliche Anlässe geht, haben wir Ihnen im letzten Jahr schon am Beispiel von IKEA gezeigt. Welche Anrede Ihre Kunden am besten anspricht, wissen Sie bereits – oder müssen es ausprobieren. Was aber, wenn  aus einem bestimmten Zusammenhang eine besonders höfliche Anrede nötig ist, und das auch noch in anderen Sprachen?

Ihrzen statt Siezen

Während im Standarddeutschen die Höflichkeitsform durch die 3. Person Plural (Sie) ausgedrückt wird, trifft man in bestimmten Kontexten auf die 2. Person Plural – das „Ihr“. Diese Anrede ist veraltet, wird aber gerade im literarischen und filmischen Bereich wird noch geihrzt. Oft soll dadurch eine besonders höfliche Anrede, etwa eines Meisters oder einer Respektsperson, dargestellt werden. Auch in Adelskreisen und im gehobenen Bürgertum war diese Anrede üblich.

Aber Vorsicht! Sprache ist höchst heterogen und so kann es in schweizerischen Dialekten, vor allem im Raum Bern, oder im plattdeutschen Raum vorkommen, dass eine Form des Ihrzens verwendet und in die Hochsprache übertragen wird. Im Englischen trifft Ähnliches auf das veraltete „thou“ zu, das besonders in Nordengland und Schottland genutzt werden kann.

Höflichkeit in anderen Sprachen

Als Übersetzer spielt die Wahl der Anredeform eine besondere Rolle. Welcher Grad der Höflichkeit ist angemessen und wie drücke ich diesen am besten aus? Während das Englische (mit Ausnahme der veralteten Formen) in der Anrede auf das „you“ reduziert ist und Höflichkeit vor allem durch Zusätze wie Titel ausdrückt, bieten das Japanische und Koreanische zahlreiche Abstufungen der Höflichkeit, deren Nutzung höchst unterschiedlich ist.

So kann die Wahl der Anrede (ob durch Pronomina, Nomina, Anredesuffixe, Höflichkeitspräfixe, oder entsprechende Verbformen) den gewünschten Grad der Höflichkeit oder des Respekts zum Ausdruck bringen und so auch Distanz oder Nähe zwischen den Beteiligten anzeigen. Im Italienischen und Spanischen ist häufig die Verbform entscheidend, da beide als Pro-Drop-Sprachen die Pronomina weglassen können, wobei auch für das Spanische besondere Regeln gelten – abhängig davon, in welchem Teil der Welt man kommuniziert. Höflichkeit kann zudem in einigen Sprachen durch bewusste Vermeidung der Anrede symbolisiert werden. Eine direkte Anrede kann unhöflich bis beleidigend sein.

Anrede als politisches Instrument

Innerhalb zusammengehöriger Gruppen kann das sonst übliche „Sie“ im Deutschen durch ein „Du“ ersetzt werden – das ist in einigen politischen Parteien, aber oft auch unter Sportlern der Fall. Im faschistischen Italien ging man noch weiter: Die heute übliche höfliche Anrede „Lei“ in der 3. Person Plural wurde durch ein „Voi“ (2. Person Plural) ersetzt und politisch propagiert.

Die Form der Anrede ist also nicht nur – wie bei IKEA – ein Marketinginstrument, sondern beinhaltet oft zahlreiche weitere Faktoren, die beim interkulturellen Kontakt zu beachten sind. Die Übersetzer bei Leginda berücksichtigen bei allen Aufträgen von Online-Übersetzungen solche sprachlichen Feinabstimmungen, das macht unsere Fachübersetzungen so besonders.

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